Wolfgang Fürst gründet zum zweiten Mal ein Dojo in Österreich … Teil 1

Der Wasserkocher im neuen Enshiro-Dojo Wien ist ein schlechter Witz!

Wolfgang Fürst in seinem neuen Dojo in Wien.
Wolfgang Fürst in seinem neuen Dojo in Wien.

Ich sitze Wolfgang (Wolfffi), in der Dapontegasse 8 gegenüber, allerdings nicht in Salzburg, sondern im einige hundert Kilometer weiter Östlich gelegenen verträumten Wien.

Ich frage mich, dieses aber laut und direkt an Wolfgang gerichtet: Nach Enshiro Salzburg, nun Enshiro Wien, warum – Lebensveränderungen sicherlich (…)?



„Warum?“, kommt nach einer zähen Pause. „Lebensveränderung, stimmt, Ortwechsel von Salzburg nach Wien, Berufswechsel auch und damit in der ersten Zeit keine Gelegenheit ein regelmäßiges Training zu geben oder ein Dojo zu gründen.

Nach nun vier Jahren hat sich mein Leben ‚normalisiert’ und vor gut eineinhalb Jahren hatte ich wieder Gelegenheit und auch Lust zu unterrichten und so habe ich wieder begonnen, ein Dojo aufzubauen. Zuerst eingemietet in einem Veranstaltungszentrum in einem der Außenbezirke von Wien (dem 18.). Ich hab‘ dort begonnen am 1. Dezember 2008 und nach einem Jahr hat sich herausgestellt, dass vom Raumangebot und von den Zeiten her dort die Flexibilität nicht ausreichend war. Wir hatten nur zwei Abende in der Woche, mit je zwei Trainings mit Aikido und Iaido. Ich wollte mehr tun und hab‘ dann begonnen, einen Raum zu suchen, in ganz Wien, irgendwo. Ich habe viele Objekte angeschaut, 15, 20 und dann letztlich das jetzige EnShiro Dojo im 3. Bezirk gefunden, in der Dapontegasse 8.“

Wer war Monsieur Da Ponte?

„Einer der Librettisten von Mozart.“

Richtig. Eins, setzen.

Textschreiber war er, was früher ein Beruf war. [Lorenzo da Ponte (Geb. am 10. März 1749 in Ceneda, heute Vittorio Veneto, Venetien; gestorben 17. August 1838 in New York) – Lorenzo da Ponte hieß ursprünglich Emmanuele Conegliano, war Jude und nahm seinen neuen Namen an, als sein Vater Geremia, ein Gerber und Lederhändler, im August 1763 in zweiter Ehe eine Christin heiratete und dessen drei Söhne aus erster Ehe ebenfalls zum Katholizismus übertraten. Den Namen übernahm er vom damaligen Bischof von Ceneda, von dem er adoptiert wurde. Konvertierte Juden ließen sich im 18. Jahrhundert in Italien oft von katholischen Geistlichen adoptieren, um in der Gesellschaft aufsteigen zu können.]

Also schon wieder Mozart. Schon wieder, weil Wolfgang Fürst früher Beamter in Salzburg war, und vor seinem Bürofenster stand das große Mozartdenkmal.

Diese Inspiration kann er nicht abstreiten, aber er beschwört, nicht bewusst die erneute Nähe zu Mozart gesucht und gefunden zu haben. Zumal kein Denkmal in der Nähe weilt – wohl aber, wenn man aus dem Haus N°8 tritt, in dem das Dojo zur Hälfte unter dem Straßenniveau erbaut, man zur Linken, am Ende der nicht sehr langen Da Ponte Gasse den größten noch erhaltene Flakturm Wiens ansichtig wird – ein wahres, riesiges Monument im Arenbergpark

Wäre es nicht einfacher in ein schon bestehendes Dojo einzutreten?

„Einfacher in welcher Hinsicht?“,

kommt seine prompte Gegenfrage, und mir erscheint ein Bild (…) antworte aber, natürlich hängt es ab von der Struktur, der Persönlichkeit, (…)
„Das hängt davon ab, welche bestehende Struktur man antrifft, welche Persönlichkeiten dort am Werke sind. Ob eine Offenheit besteht, jemanden, der dem Anfängerstadium entwachsen ist, der eigene Meinungen und Ansichten entwickelt hat, hier einzubauen.

Viele Dojoleiter wollen ihren eigenen Weg und nur den gehen, und das ist auch richtig und gut so. Und dann ist dort, nicht aus böser Absicht, sondern weil es einfach nicht passt, nicht der Platz für noch einen Lehrer.“

Das ist sicher schwierig…

„Es wäre nicht mein Problem, in ein solches Dojo zu gehen, aber es wäre dann wahrscheinlich ein Nebeneinander, oder im allerbesten Fall auch ein Miteinander mit einem Dialog, den man führen kann, aber es wäre in jedem Fall schwierig. Es ist nicht so, dass ich nicht versucht hätte, auch in anderen Dojos hier in Wien zu unterrichten. Aus dem einen oder anderen Grund war das verschiedenen Dojoleitern auf Dauer – abgesehen von gelegentlichen Besuchen, die sie gerne ermöglicht haben – nicht recht.

Einfach auch, weil die Dojos schon alle länger bestehen, gesetzt sind. Die haben ihre Lehrer, die haben ihre Struktur und wenn ich irgendwo hingehe, nehme ich ja auch Raum ein. Ohne es jetzt im Besonderen zu wollen, sondern so wie jedes existierende Ding Raum einnimmt und so brauche eben auch ich Platz. Und den kann oder will halt nicht jede/r geben.“

Schon in der Chemie, geht man davon aus, dass nicht verloren geht, sprich alles erhalten bleibt. Nun aber hast du Platz, bleibt der Weg derselbe, siehst du Veränderungsbedarf?

„Der Weg ist in der Richtung durchaus der Gleiche, aber im selben Moment auch ganz anders, weil sich der Inhalt verändert hat, weil ich mich verändert habe, weil sich auch die Sichtweise der Dinge im Laufe der Jahre verändert hat. Also es ist das Gleiche, aber ganz anders.“

Weißt Du was sich verändern wird/sollte?

„Meine Sicht des Unterrichtes, der Schüler, des Aikidos – das hat sich alles verändert.“

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