Gespräch mit Ulrike Serak aus Berlin.

Das Dojo am Gleisdreieck, in Berlin.

Ulrike Serak in ihrem Dojo »Am Gleisdreieck«.
Ulrike Serak in ihrem Dojo »Am Gleisdreieck«.

Seit wann gibt es das Dojo am Gleisdreieck?

Dieses Dojo gibt es jetzt »im siebten Jahr«. Vorher hatte ich, auch sieben Jahre lang, ein kleineres Dojo in Wilmersdorf.

Eigentlich war es als ein Umzug geplant, es stellte sich aber schnell heraus, dass es ein Neuanfang war. Die veränderte Atmosphäre vom kleinen, quasi intimen »Hinterhofdojo« ins grosse, lichtdurchflutete Fabriketagen-Dojo gefiel einigen meiner alten SchülerInnen nicht … Aber inzwischen ist dieses Dojo angenommen worden, es ist etabliert.

Tja, zweimal sieben Jahre, das bedeutet nun schon eine 14-jährige Selbständigkeit. Ich war ja eine der ersten Frauen, die ein Dojo in Deutschland eröffnete. Zum Glück gibt es mittlerweile einige Dojos, die von Frauen geleitet werden. Wir haben in Deutschland wohl eine führende Rolle, was diese Situation angeht.

Was hat Dir den Mut zur Dojoeröffnung vor vierzehn Jahre gegeben?

Ich bin da hineingewachsen. Ich trainierte ja bei Gerd Walter bereits dreizehn Jahre. Dort gab ich recht früh Stundenvertretungen. Ab meinem 1. Kyu leitete ich eine Frauengruppe im Frauen-Selbstverteidigungs-Zentrum. Nach ca. zwei Jahren hatte ich dort eine Gruppe von ca. 30 Frauen - das hat sehr viel Spass gemacht, Einige sind heute noch hier im Dojo dabei. So kam für mich automatisch die Frage nach einem eigenen Dojo auf. Ich wollte mehr Verantwortung übernehmen, gestalten, meinen eigenen Weg entwickeln können – damit stösst man in einem Dojo, in dem man nur »vertritt«, an Grenzen. Ein Wachsen ist nur im eigenen Dojo möglich, zumal ich mich schon Jahre vorher für Aikido entschieden hatte - das war und ist meine Basis. So entstand mein erstes Dojo mit 30 Frauen.
Vielleicht kannst Du Dir vorstellen, wie sich der erste Mann fühlte, als er zu uns ins Dojo kam? (lacht) Der hatte es wirklich, wirklich nicht leicht. Die Manner wurden ganz schön gemustert – passt der zu uns? usw.

Nach sieben Jahren war es dann ein fünfzig-zu-fünfzig-Verhältnis. Aber so geht es Frauen auch oft, wenn sie in ein »normales« Dojo kommen. Es war ein schöner Prozess, ich habe ihn zu beobachten genossen. Interessant war auch, dass das reine Frauentraining nach zwei Jahren nicht mehr angenommen wurde, es kam keiner mehr in diese Stunden!

Eigentlich ist das ja selbstverständlich, es passt ja auch nicht wirklich zum Aikido, zu sagen, ich will nicht »mit Männern« - als Nächstes kommt dann, ich will nicht »mit den Dünnen, mit den Dicken, mit den Alten…« Eine Diskriminierung dieser Art muss auch im Leben überwunden werden. Männer und Frauen sollten im Aikido miteinander klarkommen.

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